Archäozoologin Kerstin Pasda
Archäozoologie -
Die Lehre von alten Tieren


Die Archäozoologie beschäftigt sich mit Tierresten überwiegend aus archäologischen Zusammenhängen.

Forschungsgeschichtlich ist die Archäozoologie ein recht junges Fach: Erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigte man sich sporadisch mit der Untersuchung von unverbrannten Fisch-, Vogel- und Säugerknochen aus archäologischen Ausgrabungen. Neben diesen gehören inzwischen auch verbrannte Knochen, Mollusken, Eierschalen, Haare, Horn, Federn, Fell und Leder oder auch Tiermumien zu den Tierresten, die in das Analysespektrum gehören.

Wichtigste Methode der Archäozoologie ist die visuelle Bestimmung von morphologischen Merkmalen. In der Regel geschieht dies mit Hilfe einer Vergleichssammlung, die aus modernen, vollständigen Skeletten oder auch aus archäologischen Knochen zusammengesetzt ist. Bestimmt werden dadurch die Tierart und das Skelett- und Knochenteil der in der Regel fragmentierten Knochen. Daneben werden osteometrische Daten erhoben und das Alter, Geschlecht und pathologische Veränderungen bestimmt. Weitere Methoden, die angewandt werden können, sind die Erstellung und Analyse von Dünnschliffen an Zähnen und Knochen, die DNA-Analyse und die Bestimmung und Analyse stabiler Isotope. Knochen dienen durch die 14C-Methode auch dazu, das absolute Alter eines Befundes bestimmen zu können.

Forschungsrichtungen sind je nach Fragestellung: die Domestikationsforschung, die Taphonomie, Grundlagenforschungen biologischer/biometrischer Art, die Untersuchung sozialer Unterschiede und wildbiologischer Fragestellungen, die Erforschung von Subsistenzstrategien, Ernährung, Handel und Märkten oder von Wirtschafts-, Agrar- und Handwerksgeschichte, der Landschaftsentwicklung und des Klimas, der Tiermedizin oder der Verwendung von Tieren in Kunst und Religion.

Zeitlich überschneidet sich die Archäozoologie im Pleistozän mit der Paläontologie. Räumlich gibt es kaum Beschränkungen: sie findet überall Anwendung, wo Menschen ihre Spuren in Form von Tierresten hinterlassen haben.

Moschusochsenschädel in Angajaartorfik, Grönland, 2009